Die Lausitz verändert sich grundlegend: Mit dem Ausstieg aus der Braunkohle entstehen neue wirtschaftliche Schwerpunkte – unter anderem im Gesundheits- und Medizinsektor. Mit der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem wächst in Cottbus ein neuer Forschungs-, Ausbildungs- und Versorgungsstandort, der qualifizierte Fachkräfte braucht und neue Berufsbilder schafft.
Es wird deutlich: Berufliche Orientierung muss heute mehr leisten als Information. Sie muss jungen Menschen Perspektiven in einer sich wandelnden Region aufzeigen, Zukunftsfelder sichtbar machen und Entscheidungs- und Gestaltungskompetenz im Kontext des Strukturwandels stärken.
Was braucht es im Strukturwandel wirklich?
Beim 3. Lausitzer Bildungsgipfel am 24. Februar 2026 im Oberstufenzentrum II Spree-Neiße wurde genau diese Frage intensiv diskutiert und multiperspektiv beleuchtet – unter dem Leitmotiv: „Berufliche Orientierung neu gedacht – Neue Wege in der Lausitz“.
Im Oberstufenzentrum II Spree-Neiße kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Schule, Wirtschaft und Arbeitsverwaltung zusammen – eine hervorragende Gelegenheit für das Netzwerk Zukunft, sich als Impulsgeber für eine zeigemäße und wirkungsvolle Berufliche Orientierung zu positionieren. Netzwerk-Geschäftsführerin Katharina Heduschka und die stellvertretende Geschäftsführerin sowie Referentin Praxislernen, Katharina-Fehn Winterling, repräsentierten das Netzwerk Zukunft auf dem Lausitzer Bildungsgipfel.
Eröffnet wurde der Gipfel durch Landrat Harald Altekrüger und Schulleiter Michael Bagola, ergänzt durch ein digitales Grußwort aus dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg von Christoph Winkler. Schon in diesen Beiträgen wurde deutlich, wie eng Bildungsfragen mit der Zukunftsfähigkeit der Region verknüpft sind.
Doch wie kann Berufliche Orientierung konkret dazu beitragen, Transformation aktiv zu gestalten statt nur auf sie zu reagieren?
Eine erste strategische Einordnung lieferte Jörg Matern von der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), die Mitglied im Netzwerk ist. Er machte deutlich: Berufliche Orientierung ist mehr als Informationsvermittlung. Sie ist die systematische Entwicklung von Entscheidungs- und Gestaltungskompetenz im Kontext der Transformation des Arbeitsmarktes. Und: Die Wirtschaft erwartet von Berufseinsteigern nicht allein Fachkenntnisse. Vor allem soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit oder Verantwortungsbewusstsein zählen – Kompetenzen die im Prozess einer gelungenen der Beruflichen Orientierung wachsen.
In einer sich anschließenden Diskussion im Fishbowl-Format zeigte sich ein klarer Konsens der Gipfel-Akteure: Wirksame Berufliche Orientierung entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen. Sie braucht
- abgestimmte Kooperationen,
- klare Rollen,
- verlässliche Strukturen und
- systematische Qualitätsentwicklung.
Praxis im Fokus
Am Nachmittag des Bildungsgipfels stand die praktische Umsetzung im Mittelpunkt. In thematischen Workshops wurde diskutiert, wie Qualität gesichert, die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft gestärkt und tragfähige Strukturen aufgebaut werden können.
Als Netzwerk Zukunft brachten wir uns über die Koordinierungsstelle Praxislernen mit einem eigenen Workshop ein. Im Fokus standen drei zentrale Fragen:
Was zeichnet Qualität im Praxislernen aus?
Wie gelingt eine echte Verzahnung von Schule und Unternehmen?
Wie trägt das innovative Unterrichtsformat Praxislernen systematisch zur Entwicklung von Berufswahlkompetenz bei?
- Was bietet die Koordinierungsstelle Praxislernen den Partnern (Schulen, Unternehmen, Berufsbildungsstätten) des Praxislernens?
Einige der Partner waren anwesend und berichteten über gute Beispiele in der Region.
Gerade in der Lausitz – geprägt von wirtschaftlicher Transformation und dem wachsenden Bedarf an Fachkräften – zeigt sich: Berufliche Orientierung muss strategisch gedacht und kooperativ umgesetzt werden – dann gelingt sie.

Der Bildungsgipfel war für uns mehr als ein Fachaustausch. Er hat gezeigt, wie Zusammenarbeit in den Regionen gelingen kann und war eine Plattform für Vernetzung, Partnerschaften und gemeinsame Zukunftsbilder. Diese “Bilder” sind während des Lausitzer Bildungsgipfels übrigens nicht nur in den Köpfen sondern auch ganz real entstanden: Die Illustratorin Sophia Halamoda erstellte eine bildliche Aufzeichnung des Gipfels – beim sogenannten “Graphic Recording”. Die Vielfalt der Themen und Herausforderungen wird in der Visualisierung noch einmal mehr deutlich.
Wir nehmen zahlreiche Impulse mit – und freuen uns auf die Fortsetzung des Dialogs.