Die Sport- und Kreativitätsgesamtschule auf dem Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen im Landkreis Havelland ist eine anerkannte Ganztagsersatzschule. Seit 2023 arbeitet sie mit einem adaptiven Lernkonzept – und wurde dafür 2024 mit dem Arbeitgeberpreis für Zukunftskompetenzen ausgezeichnet.
Berufliche Orientierung im Schulalltag verankert
Ein Herzstück des Konzepts sind die „Schüler:innen-Coachings“. Die Jugendlichen lernen in ihrem eigenen Tempo, bewegen sich frei in der offenen Lernumgebung „Marktplatz“ und bearbeiten individuelle Module, die mit einem „Geli“ und einer Prüfung abschließen.
Jede Schülerin und jeder Schüler hat eine feste Ansprechperson aus dem Kollegium: eine Tutorin oder einen Tutor. Diese begleiten jeweils zwölf Jugendliche eines Jahrgangs und führen regelmäßig Coachinggespräche. Dabei schauen sie gemeinsam auf Lernfortschritte, planen die nächsten Schritte, besprechen Ergebnisse und setzen persönliche Ziele.
Die Berufliche Orientierung ist fester Bestandteil dieser Gespräche. Die Jugendlichen sprechen über ihre Stärken und Interessen, planen Praktika und erhalten Hinweise auf passende Messen oder externe Angebote. So begleiten die Tutorinnen und Tutoren ihre Schülerinnen und Schüler kontinuierlich – fachlich wie persönlich – und behalten den weiteren Weg nach der Schule im Blick.
Im Zentrum steht immer der einzelne Mensch mit seinen Fähigkeiten und Potenzialen. Fehler gelten nicht als Rückschlag, sondern als Anlass, genauer hinzuschauen und neue Strategien auszuprobieren.
Herausforderungen im Coaching-Alltag
Das Coaching braucht Zeit und gute Vorbereitung. Die Tutorinnen und Tutoren müssen unterschiedliche Lernstände im Blick behalten und jedes Gespräch individuell vorbereiten. Gleichzeitig braucht es Vertrauen, um auch persönliche Themen sensibel anzusprechen.
Auch die konsequente Förderung der Selbstständigkeit ist anspruchsvoll, da Schülerinnen und Schüler unterschiedlich schnell lernen, Verantwortung übernehmen und reflektieren.
Zudem besteht die Herausforderung, schulische Inhalte, persönliche Entwicklung und Berufliche Orientierung in den Coachinggesprächen sinnvoll miteinander zu verknüpfen, ohne die Schülerinnen und Schüler zu überfordern.
Wichtig ist außerdem eine enge Abstimmung im Kollegium. Die digitale Plattform DiLer hilft dabei: Dort halten die Lehrkräfte Leistungen, Arbeits- und Sozialverhalten sowie wichtige Beobachtungen fest, können sich austauschen und reagieren.
Was sich bewährt hat
Die Erfahrungen sind sehr positiv. Die regelmäßigen Gespräche schaffen Vertrauen und geben den Jugendlichen Raum, offen über Herausforderungen und Ziele zu sprechen.
Viele entwickeln ein klareres Bild von ihren Stärken und ihrem beruflichen Weg. Sie wählen Praktika bewusster aus und nutzen externe Angebote gezielter.
Insgesamt trägt das “Schüler:innen-Coaching” entscheidend zu einer individuelleren, selbstbewussteren und zukunftsorientierten Lernkultur bei und fördert das Reflexionsvermögen der Schülerinnen und Schüler. Das Format zeigt, wie Schulen Berufliche Orientierung fest im Alltag verankern können – individuell, verbindlich und nah an den Jugendlichen.
