Von der Konzeptentwicklung bis zur gelebten Wertschätzung von Praktikumspartnern

Bohnstedt-Gymnasium Luckau

Zielgruppe

 außerschulische Partner
 Eltern
 Schüler/-innen

Jahrgangsstufe(n)

 Jahrgangsstufe 10
 Jahrgangsstufe 11
 Jahrgangsstufe 12
 Jahrgangsstufe 7
 Jahrgangsstufe 8
 Jahrgangsstufe 9

Zeitraum/Umfang

 individuell
 Unterrichtszeit

Beteiligte innerschulisch

 BO-Koordination
 Fachbereich WAT
 Lehrkräfte
 Schüler/-innen​

Beteiligte außerschulisch

 Agentur für Arbeit
 Betriebe
 Handwerkskammer​
 Industrie- und Handelskammer
 Kooperationspartner

Ansprechpartner

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Schülerinnen und Schüler gestalten Berufliche Orientierung aktiv mit

Am Bohnstedt-Gymnasium Luckau wird Berufliche Orientierung nicht nur für Schülerinnen und Schüler gestaltet, sondern mit ihnen. Zwei besondere Bausteine zeigen, wie Jugendliche aktiv Verantwortung übernehmen, ihre Selbstwirksamkeit erleben und gleichzeitig die Qualität der schulischen Beruflichen Orientierung weiterentwickeln: ein Seminarkurs zur Konzeptentwicklung sowie ein umfassendes Konzept zur Praktikumsreflexion.

Schülerinnen und Schüler entwickeln das BO-Konzept weiter

Vom BO-Konzept zur eigenen Projektidee

Unter der Leitung der BO-Koordinatorin beschäftigt sich einer von zwei Seminarkursen zur Beruflichen Orientierung gezielt mit der Weiterentwicklung des schulischen BO-Konzeptes. Ausgangspunkt ist die intensive Auseinandersetzung mit den Verwaltungsvorschriften, den Landesstrategien Brandenburgs sowie dem schuleigenen Berufsorientierungskonzept. Auf dieser Grundlage entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene Projekte zur Optimierung der schulischen Beruflichen Orientierung.
Dabei lernen sie Projektarbeit in all ihren Facetten kennen. Zum Einsatz kommen unter anderem Zielgruppenanalysen, Empathy-Maps, Interviews, Brainstormingmethoden, Realitätschecks, die Now-How-Wow-Matrix, KANBAN-Boards, Projektstruktur- und Projektablaufpläne, Risikomatrizen sowie Methoden des Zeit- und Projektmanagements. Die Jugendlichen treten selbstständig mit Partnern in Kontakt und setzen ihre Ideen eigenverantwortlich um.
Die so entstandenen Projekte zeigen die Bandbreite der Möglichkeiten: ein Steckbriefverzeichnis von Kooperationspartnern zur Praktikumsplatzsuche, Messen zum Gap Year, Veranstaltungen zu männerdominierten Berufen speziell für Schülerinnen, Formate zur Vielfalt des Handwerks, Videodrehs mit Praktikumspartnern oder die Organisation einer Elterninformationsveranstaltung gemeinsam mit allen festen Partnern und beteiligten Lehrkräften. Der aktuelle Kurs arbeitet derzeit an einem BO-eigenen Instagram-Kanal.
 

Selbstwirksamkeit durch echte Projektverantwortung

Eine besondere Herausforderung besteht darin, die Schülerinnen und Schüler mit einer Arbeitsweise vertraut zu machen, die sich deutlich vom gewohnten schulischen Lernen unterscheidet. Projektarbeit birgt Risiken, Ideen müssen entwickelt, verworfen und weitergedacht werden. Auch die eigenständige Kontaktaufnahme mit außerschulischen Partnern kostet manche Schülerinnen und Schüler zunächst Überwindung.
Gerade darin liegt jedoch der besondere Wert des Projekts. Die Jugendlichen erleben ihre Selbstwirksamkeit neu, erkennen die Vielzahl an Prozessen, die hinter Planung und Organisation stehen, und erfahren, wie viele Details berücksichtigt werden müssen, um ein Ziel erfolgreich zu erreichen. Gleichzeitig profitiert die gesamte Schulgemeinschaft von den entstandenen Ideen. Die Projektkurse liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Berufsorientierungskonzeptes und schließen Lücken, die von Schülerinnen und Schülern selbst erkannt werden. Umfangreiche Feedbacks und Auswertungen unterstützen zudem die schulische Qualitätsentwicklung.

Praktikumsreflexion als Schlüssel zur Berufswahl

Erfahrungen sichtbar machen und reflektieren

Ein weiterer besonderer Baustein der Beruflichen Orientierung am Bohnstedt-Gymnasium Luckau ist die systematische Reflexion der Praktikumserfahrungen in Jahrgangsstufe 9. Ziel ist es, die im Praktikum gewonnenen Erkenntnisse nachhaltig für die eigene Berufswegeplanung nutzbar zu machen.
Bereits während des Praktikums erstellen die Schülerinnen und Schüler eine kreative Arbeit zu ihrem Praktikumsort und ihren Erfahrungen. Dafür erhalten sie vorab Kriterien, über die auch Praktikumspartner und betreuende Lehrkräfte informiert werden. Am Ende des Schuljahres werden die Arbeiten in einem großen Galeriegang jahrgangsübergreifend präsentiert. Reflexionsanregende Aufgabenstellungen ermöglichen es den Lernenden, auch andere Berufsfelder über die Erfahrungen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler kennenzulernen und diese Erkenntnisse auf die eigene berufliche Lebensplanung zu übertragen.
Zusätzlich verfassen die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in der ersten WAT-Unterrichtsstunde nach dem Praktikum eine schriftliche Praktikumsreflexion. Diese regt dazu an, die eigenen Erfahrungen bewusst zu bewerten und Schlussfolgerungen für die weitere Berufliche Orientierung zu ziehen.

Wertschätzung als Grundlage für nachhaltige Kooperationen

Besonders hervorzuheben ist der dritte Baustein: das persönliche Dankesschreiben an die Praktikumspartner. Darin bedanken sich die Jugendlichen individuell für eine unterstützende Betreuung, wertvolle Erfahrungen oder besondere Ereignisse während ihres Praktikums. So wird Wertschätzung bewusst eingeübt und reflektiert.
Gleichzeitig dient das Verfahren dem Ausbau des schulischen Netzwerks. Besteht mit einem Betrieb noch keine Kooperation, wird dem Dankesschreiben zusätzlich ein Schreiben der BO-Koordination sowie das Angebot einer Kooperationsvereinbarung beigefügt. Auf diese Weise verbindet die Schule Anerkennung und Beziehungsarbeit mit der strategischen Weiterentwicklung ihres Partnernetzwerks.
Die Erfahrungen sind ausgesprochen positiv. Viele Betriebe melden sich zurück und bedanken sich ihrerseits für die Briefe. Zudem wird den Schülerinnen und Schülern bewusst, dass eine intensive Betreuung im Praktikum keine Selbstverständlichkeit ist. Gleichzeitig entstehen neue Kooperationen, die auch zukünftigen Jahrgängen hochwertige Praktikumsplätze ermöglichen.

Das Besondere

Das Beispiel des Bohnstedt-Gymnasiums Luckau zeigt, wie Berufliche Orientierung zu einem gemeinsamen Entwicklungsprozess werden kann. Schülerinnen und Schüler gestalten die Weiterentwicklung des BO-Konzepts aktiv mit, entwickeln eigene Projekte, reflektieren ihre praktischen Erfahrungen systematisch und stärken durch persönliche Wertschätzung die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. So entstehen nachhaltige Lernprozesse, die weit über die eigentliche Berufsorientierung hinausreichen.

Hinweis: Grundlage dieses Textes sind Informationen der genannten Schule, die für diese Veröffentlichung redaktionell aufbereitet wurden.

Weitere Good-Practice-Beispiele

Peter Joseph Lenné Oberschule mit Grundschulteil Hoppegarten

Praxislernen als durchgängiges Konzept der Beruflichen Orientierung

Gesamtschule Villa Elisabeth Eichwalde

BO-Seminarkurs organisiert Projekttag für 7. Klassen

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